Offener Brief Deutschland
Dringender Zugang zu effektiven Behandlungen gegen Cluster-Kopfschmerzen
Cluster-Kopfschmerz ist eine der qualvollsten Erkrankungen, die der Medizin bekannt sind, von Betroffenen verglichen mit einem glühenden Eispickel, der ins Auge getrieben wird. Sie werden auch "Suizidkopfschmerzen" genannt, weil manche Patient:innen sich das Leben nehmen, um dem Schmerz zu entkommen. Es gibt keine bekannte Heilung und die verfügbaren medizinischen Standardoptionen können Attacken nicht zuverlässig und nachhaltig verhindern oder stoppen. Schätzungsweise 37.000 deutsche Erwachsene erdulden diesen unerträglichen Schmerz jedes Jahr.
Unzählige Patient:innen haben von zuvor unerreichbarer Linderung durch bestimmte Substanzen der Indolamin-Familie berichtet, die mit Serotoninrezeptoren interagieren.[1] Psilocybin, LSD, 5-MeO-DALT und BOL-148 (ein nicht-halluzinogenes Derivat von LSD) haben sich als wirksam bei der Verhinderung von Attacken erwiesen, und N,N-DMT scheint geeignet[2], Attacken innerhalb von Sekunden zu stoppen und auch präventive Wirkung zu entfalten, sogar bei sub-halluzinogenen Dosen. Dies sind keine isolierten Einzelberichte: Hunderte von Patient:innen haben solche Wirkungen in veröffentlichten wissenschaftlichen Umfragen angegeben, einige klinische Studien unterstützen diese Angaben, und der begrenzte Einsatz im klassischen klinischen Umfeld hat ebenfalls die Wirksamkeit demonstriert. In Selbsthilfegruppen und auf Konferenzen, die von einer großen Betroffenen-Interessenvertretung organisiert werden, berichten Patient:innen von den Erfolgen, die sie bei der Behandlung ihrer Schmerzen mittels dieser Substanzen hatten.
Basierend auf einer Analyse der vorliegenden Evidenz haben wir keinerlei Zweifel daran, dass diese Substanzen medizinisches Potenzial hinsichtlich der Linderung und Prävention von Cluster-Kopfschmerzen besitzen, wo andere Therapieansätze versagt haben. Auch wenn immer Vorsicht geboten ist, gelten diese Substanzen allgemein als sicher verwendbare Substanzen mit geringer Toxizität.[3]
Keine dieser Substanzen wurde bisher für die medizinische Behandlung von Cluster-Kopfschmerzen zugelassen. Die Durchführung großer klinischer Studien wird behindert durch die Schwierigkeit, Betroffene dieser relativ seltenen Erkrankung zu rekrutieren, und durch unzureichende Finanzierung der Erforschung dieser patentfreien Verbindungen.
In Deutschland bleiben Psychedelika, die Cluster-Kopfschmerz-Betroffenen helfen könnten, als Substanzen der Anlage I unter dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) klassifiziert, wodurch sie über legale medizinische Kanäle praktisch nicht verfügbar sind. Zwar erlaubt deutsches Recht kontrollierte wissenschaftliche Forschung mit Sonderlizenzen vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), allerdings gibt es derzeit keine etablierten Bestimmungen für den Compassionate Use dieser Substanzen zur Behandlung von Cluster-Kopfschmerzen. Derzeit stehen Betroffenen nur extrem begrenzte Optionen zum Erhalt der genannten Psychedelika zur Verfügung, wobei die Teilnahme an klinischen Studien (soweit verfügbar) der einzige legale Weg ist. Das zwingt viele dazu, unnötig zu leiden oder Behandlung im Ausland zu suchen. Währenddessen haben Länder wie die Schweiz Bestimmungen für den Compassionate Use etabliert, die es Ärzten erlauben, Psilocybin und LSD an Cluster-Kopfschmerz-Patient:innen zu verschreiben, und Kanada hat begonnen, Einzelfälle unter seinem "Special Access Program" zu genehmigen.[4]
Diese Situation erfordert dieselbe Dringlichkeit wie die Bereitstellung von Anästhesie für größere chirurgische Eingriffe.
Wir fordern die deutsche Regierung auf, folgende Maßnahmen zu ergreifen:[5]